What if...?!

Was wäre, wenn wir Dinge beeinflussen könnten, nachdem sie passiert sind?

Drehtag 2

KEVIN HAT 'NE FREUNDIN!

Irgendwie schaffen wir es aus dem Bett, ich bekomme meinen Aufwachtee und sogar ein Frühstück (das Brötchen ist noch von Montag übrig), Hanna isst morgens nichts und ich probiere die beste Erdbeer-Rhabarber-Marmelade der Welt. Wir müssen noch schnell einkaufen und ich weiß nicht mehr wo wir uns vertrödeln, aber beinahe pünktlich stehen wir im idyllischen Berg und holen unseren Nachwuchsstar ab: Hannas Nichte, 9 Jahre, im Film wie im Leben kleine Schwester. Gemeinsam geht es nach Mühlacker zu unserem Aufnahmeleiter (in dessen Zimmer wir drehen). Netterweise stehen wir mehrmals im Stau und haben mordsmäßig Verspätung. Aber zum Glück steckt unser Kevindarsteller noch hinter uns auf der Autobahn fest (unsere Hauptdarstellerin hätte NIE damit gerechnet die zweite am Set zu sein).

Ich bin immer wieder angenehm überrascht von unseren Darstellern. Philipp, der den Kevin spielt (einen Macho mit weichem Kern), hat uns alle erst ein Mal gesehen und versucht trotzdem seine Filmschwester noch hinter der Kamera um den Finger zu wickeln (uns Mädels hat er schon längst, aber sagt es ihm bitte nicht). Blöd nur, dass sich die beiden Mädels zusammengetan haben und die Kleine partout nicht zugeben will dass sie Philipp/Kevin mag (TROTZ Kniefall und dem Versprechen Lillifee-Muffins zu backen). Aber in der Szene klappt es später wie am Schnürchen und wir sind schnell fertig (die Jugendschutzbestimmungen müssen eingehalten werden). Mit den beiden 'Großen' geht es dann ans Eingemachte. Mit Babyöl und viel Puder (ich find' es super, dass ich die Maske machen darf) werden Beide noch einmal aufgehübscht (oder zerstört, wahlweise) und die brütende Hitze des kleinen Jugendzimmers wird durch die Tageslichtscheinwerfer noch verstärkt.

Zwischendurch bestellen wir Pizza und passen zu sechst gerade so an den Esstisch. Niemand hätte vorher gedacht, dass wir so schnell eine so harmonische Truppe sind (auch wenn Hanna und unsere Hauptdarstellerin im Sommer schon gemeinsam eine Spielzeit auf der Bühne standen, der Rest hat sich Montag zum ersten Mal gesehen). Es wird gelacht, kleine Änderungen an den Szenen werden notiert (das neue Notizbuch ist unverzichtbar geworden als Einkaufsliste, Merkzettel und Equipmentnotiz – vom First AD zum Personal Assistant ist es nicht weit). Aber es geht zurück ans Set, immerhin ist es schon kurz vor Mitternacht und uns fehlen noch drei Szenen.

Da es in diesem Abschnitt des Films feucht-fröhlich zugeht und die Stimmung am Sauna-Set recht locker ist (Übermüdung und Koffein machen ihre Arbeit), entsteht die Hälfte der Outtakes innerhalb von ungefähr zwei Stunden. Irgendwie werden wir dann doch noch fertig und verlassen gegen halb vier Uhr morgens Mühlacker. Die Autobahn ist (oh Wunder) wie von Zauberhand frei geworden und die Crew liegt kurz vor fünf in den Betten und hofft, dass es der Cast genauso geht. Die Nacht ist viel zu kurz, aber beinahe sind wir schon daran gewöhnt.